Der Kunst-und Evolutions Code

Prof. Dr. Harald Szeemann 1999

Die heutige Revolution in der Kunst

Dieter Liedtke will über das Event, die Kunst, die Intuition, den Menschen, die Menschen
verändern. Unterdessen fanden diverse Begegnungen statt und ich erfuhr mehr
über diesen lebensfrohen Idealisten, der auf seine Weise das Beuys‚sche Vermächtnis,
seinen Appell für einen kreativen Menschen, eine kreative Gesellschaft zu seinem
eigen gemacht hat. Liedtke ist selber Künstler, hat ausgestellt, musste aber das Nichtinteresse
an seinen Werken hautnah erfahren. Er entschloss sich dann, Erfinder zu
werden. Die Patente für den Selbsthaarschneider, für die luftgefederte Schuhsohle, für
das audiovisuelle Marketing des Einzelhandels machten ihn zum reichen Mann. In den
80-er Jahren besucht er Beuys, der sich damals immer mehr gesellschaftspolitisch
engagierte und an einer gültigen Kunstformel, einer menschheitsverändernden Kunst
zweifelte. Liedtke setzte da ein. Er will über das Bild, über die Bilder direkt Kreativitätsschübe
sichtbar machen, begreifbar machen.


Seine Kunstformel, Leben + Bewusstseinserweiterung= Kunst
ist gewissermaßen das Kondensat seiner Forschungen und
Bemühungen, die er in verschiedenen Publikationen erläutert hat: Das Bewusstsein
der Materie (1982), die vierte Dimension (1987), der Schlüssel zur Kunst (1990)... Der
Glaube an die Erkenntnis, dass alle sich neu entwickelnden Evolutionsstufen, Informationen
und Bewusstseinsebenen in der vierten Dimension schon immer vorhanden
sind und nur im Bereich der dritten Dimension mit den Faktoren Vergangenheit,
Gegenwart, Zukunft und räumlich begrenzten Bereichen erschienen, lies den Erfinder-
Künstler die Potenz der Kunst und der entgrenzenden Bilder als Revolution hin zum
Gesamtheitlichen erfahren. Dieser heutigen Revolution setzt er die Zeit gegenüber, als
die Mehrheit der Menschen nicht lesen und schreiben konnte, als das Wissen nur
beschränkt transportierbar war, weil es wenigen Auserwählten vorbehalten blieb.
Heute ist der Zugang zu Kreativität nur über Bilder möglich, weil das menschliche
Bewusstsein mit Bildsequenzen arbeitet. Die Urform jeder Zukunftsschau ist die Vision,
der Traum, die Verbindung von nicht vorhandenen Realitäten. Der Weg von der Zukunft
in die Gegenwart ist nur über die Bildsprache, die Kunst möglich. Sie macht den
Menschen visionär, sie lässt ihn bisher unbeachtete Prozesse erleben und begreifen.
Um dieses Potenzial auch in Menschen auszulösen, die dafür keine spezielle Ausrüstung
haben, ist die Kunstformel optisch sichtbar einfach gehalten: sie orientiert sich
an der Evolution der Innovationen. Für Liedtke ist der Mensch strukturiert wie die Erde,
er hat Bewusstsein und Unterbewusstsein, Gene und Gen-Informationen. Sein Geist
jedoch enthält viel Wasser, viel Unterbewusstsein. Und seine Gedanken sind wie dieSchiffe.

Da das Unterbewusstsein einen hohen Anteil an den Persönlichkeitsstrukturen
des Menschen hat, kann die Aufnahme neuer Inhalte nur über diese zu Veränderungen
führen. Nur so erreicht der Mensch eine neue Bewusstseinsebene. Alles muss ins Wasser
abgelegt werden, das die Schiffe, die Gedanken trägt, die so verlernen, stupide
Fahrpläne einzuhalten, um neue Gedanken und Visionen zu erzeugen, vernetzt in der
Ursubstanz, im Wasser. Erst durch diese höchstgradige Verdünnung ist Heilung, homöopathische
Hilfe möglich. Liedtke ist ein ideologiefreier Idealist, der eingesehen hat,
dass dieses Wecken der Gabe des Visionären schrittweise zu erfolgen hat. So arbeitet
er mit einem Team von Kunsthistorikern seit Jahren an einer CD-Rom zur Veranschaulichung
des Schöpferischen. Ein Beispiel: Albrecht Dürers berühmtes Selbstbildnis
(1500) in Frontalansicht mit der Segnungsgeste des Salvator Mundi wird konfrontiert
mit der sonst üblichen Dreiviertelansicht im Porträt und der Momentaufnahme.
Bei allen herbeigezogenen Beispielen: Jan van Eyck (Tiefe und Leuchtkraft durch
Multiplikation der Farbschichten), Robert Campini (feinste Wiedergabe der Stofflichkeit),
Luca Signorelli (Hintergrundbelebung mit Aktfiguren) für die Ansicht und für die
Momentaufnahme im Bildnis eines Mannes (1512) bei Tizian (Wiedergabe der Lebhaftigkeit
des Gesichtsausdruckes) wird auf die angeführte Innovation hingewiesen.
In seinem eigenen künstlerischen Werk hat Liedtke in Bild und Objekt dieses Streben
nach einem erweiterten Bewusstsein gestaltet. Der Weg von der zweiten in die vierte
Dimension, die weißen Gene. In Andratx auf Mallorca hat er an einem Steilhang seine
Vision von Architektur verwirklicht, ein vernetzter Stufenbau, der zum Meer hinuntergleitet.
Darin ist auch sein Museum untergebracht.


Die Ausstellung art open

Natürlich ist auch die Ausstellung nur Teil eines umfassenderen Geschehens. Beim
Eintreten wird der Besucher mit Beschwörungskulturen konfrontiert, mit Zeugnissen
der Steinzeit und Objekten des Voodookultes. Chronologisch wird präsentiert an
außergewöhnlichen Beispielen die Entwicklung des Bildes vom Mittelalter bis zur
Simultanität der Stile in unserem Jahrhundert, das zwei künstlerische Revolutionen
erleben durfte, um 1910 und 1968. Die Kunst seit den 60-er Jahren setzt einen weiteren
wichtigen Akzent. Nicht mehr das Medium ist nun wichtig, sondern die
Intensität der Intention, die sich ihr Medium frei wählt. Die Innovation liegt im schöpferischen
Credo der „inneren Notwendigkeit“ und bei den jüngeren Künstlern in einer
positiven, optimistischen universalen Schau, die sich für ein neues Menschen-bild einsetzt.
Von dieser frischen, anarchischen Weltschau aus ist es nur ein Schritt zu einer
Begegnung mit der heutigen multikulturellen Vernetzungskultur des Internet, der
Computerprogramme, des Fernsehens, der CD-ROM, des Films, der Multimediaevents.

Neurobiologische- und GEN-Forschungsergebnisse
belegen die Weltformel für alle Lebensformen und
ihre positive Nutzung für eine ethische Gesellschaft
Die Zeitzer-Innovationsfabrik – Sozialstudie hat Modellfunktion:
Über die positive Wirkung der Weltformel zur Kreativitätsförderung
und die Wirtschaftsentwicklung in Sachsen Anhalt
Das Liedtke Museum in Zeitz mit seinen 13 Evolutionsmuseen, die die Innovationen
von der Steinzeit bis Heute mit der EIMM- und Kunstformel anhand von 1000
Original-Kunstwerke, die Mystik unserer Kultur dekodieren und so über die
Entschlüsselung der Kreativität in den Werken sowie die Gleichstellung durch
Verstehen von Kunstwerk und Betrachter nicht nur 1000-mal sondern millionenfach
(wie die Gehirn-Forschung durch Studien über die Bildung von Synopsen und Axonen
belegt) neue neuronale Vernetzungsabzweige und Nervenbahnen für Ideen und
Kreativität durch Wissens-Übertragung, der in den mystischen Werken manifestierten
kreativen Intelligenz auf den Betrachter (die erst in den 90ziger Jahren entdeckten
Spiegelneuronen belegen diesen Zusammenhang). In der Folge dieser verbesserten
neuronalen Netz-Struktur, mit höherer Vernetzungsdichte, ist die Steigerung der kreativen
Intelligenz, die Persönlichkeitsentfaltung, neue Erkenntnis-Lebensfreude und
Neugier, die Motivationsentwicklung, Ausbruch aus geschlossenen Denksystemen und
Depressionen, die Steigerung oder Entwicklung der Gesundheit sowie die Förderung
von Spontanheilungen durch die bis zu 1000-fach durch aufgelöste Mystik und dem
Kreativitätstransport der Werke auf den Betrachter sowie die vorhandenen neuronalen
Vernetzungen im Gehirn des Sehenden und Verstehenden übertragbar. In wissenschaftlichen
Studien über vier, sieben und zehn Jahre sollen die positiven Wirkungen
(neue Arbeitsplätze, prosperierende neue Wirtschaftsunternehmen, sinkende
Depressions-, Kriminalitäts-, Krankheits-Raten) des Liedtke-Museums und der
Innovationsfabrik Zeitz auf das Land Sachsen Anhalt und Deutschland, im Vergleich zu
drei weiteren EU Städten und Ländern ohne Innovationsfabrik, untersucht und belegt
werden.


„Liedtke hat sich enorm viel vorgenommen.
Wir helfen ihm, weil seine Verrücktheit ansteckt.
Es bleibt noch viel zu tun.“


Harald Szeemann